Am Mittwoch, den 6. Mai 2026 steht uns eine erste markante Unwetterlage in Europa bevor. Die Stormchasing-Saison ist hiermit offiziell eröffnet. Während wir bisher nur vereinzelte Gewitter hatten, die lokal kräftig ausgefallen sind, geht es morgen nun richtig los. Die Superzellen vom 19. und 21. April 2026 bei Mailand waren erst der Anfang.
Italien erreicht ein Kaltlufteinfluss, welche direkt durch die Po-Eben zur Adria fliesst, während zeitleich aus südwesten feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeerraum nach Norden transportiert wird. Dies führt unweigerlich zu einer Konvergenzlinie und so in Zentral-Italien zu kleineren Bodentiefs, die wiederum teils kräftige Gewitter entstehen lassen können.
Schauen wir uns die Modelle an, sehen wir, dass es den ganzen Tag über fast Flächendeckend Gewitter geben wird. Das Violette und Dunkelviolett abgebildete zeigen, wo Gewitter erwartet werden. Also eigentlich für Laien sehr gut ersichtlich.

Doch ich gehe etwas Tiefer in die Materie rein. Für Gewitter braucht es immer 5 Zutaten, da ansonsten die Entstehung derer nicht möglich ist:
– Feuchtigkeit: Ausreichend Wasserdampf in der Luft ist nötig, um Wolken zu bilden
– Labilität (Instabile Schichtung): Die Atmosphäre muss so geschichtet sein, dass warme Luft leicht nach oben steigen kann (Temperatur nimmt mit der Höhe stark ab)
– Hebung (Trigger): Ein Prozess, der die feuchtwarme Luft zum Aufsteigen zwingt (z.B. durch Sonnenaufheizung, Berge oder Kaltfronten)
– Windscherung: Für die Organisation und Langlebigkeit des Gewitters, d.h. Änderung der Windrichtung/geschwindigkeit mit der Höhe
– Wärme/Energie: Als Antrieb/Energiequelle
Die vorhandene Energie wird in den Wettermodellen auch CAPE (Convective Available Potential Energy), also die „für Konvektion potentiell zur Verfügung stehende Energie“ oder auf Deutsch Labilitätsenergie genannt. Das reichlich davon vorhanden ist, sehen wir hier auf dieser Karte:

Danach schaue ich mir gerne die simulierte Radarreflektivität auf 1km an. Dieser Parameter gibt einen Hinweis auf die Intensität des Niederschlages an. Hier sieht man auch schön, je dunkler die Farbe, desto mehr Niederschlag oder Hagel ist möglich. Anhand der Reflektivität lässt sich auch grob abschätzen, wie gut abgegrenzt und isoliert eine Gewitterzelle ist:

Ich zeige hier nicht alle Stunden-Bilder, lediglich das, was derzeit ausschlaggeben ist. Desweiteren ist Italien ja bekannt für seine Tornadolagen. Für einen Tornado braucht es gute Windscherung und ein Gewitter. Dabei muss es nicht mal eine Superzelle sein, ein Regenschauer kann je nach vorhandener Energie und Scherung bereits ausreichen. Also schauen wir uns mal den Tornadoparameter an. Dieser schlägt fast Rot bei Legango aus, wo wir auch eine Zelle berechnet haben:

Gleichzeitig schlägt auch der EHI aus. Der Energy Helicity Index (EHI) ist ein Unwetterparameter für Gewitter. Er kombiniert die verfügbare Energie für mögliche Gewitter (CAPE) mit dem Potenzial der Rotation. Werte im EHI von 1 bis 2 oder mehr, zeigen ein erhöhtes Potenzial für Superzellen (rotierende Gewitterzellen) an. Im Falle von Italien am kommenden Mittwoch, ist deutlich Potential für Superzellen und somit auch Tornados zu sehen:

Es dürfte also spannend werden in der Wetterküche. Auch wenn alle Modelle ausschlagen und das Potential für Superzellen, Mittelgrossen Hagel sowie Tornados gegeben ist, kann es auch ganz anders kommen. Denn es sind Modelle, die aufgrund von Berechnungen gezeichnet werden. Ob es wirklich genau 1:1 so kommt, weiss man nie das das Wetter unberechenbar ist. Aber man hat eine grobe Abschätzung was passieren könnte.
Als Extremstormchaser interessiere ich mich natürlich für diese Lage und werde es vor Ort in Italien beobachten. Aufgrund der vorhandenen potentiellen Gefahren, steht uns die erste markante Unwetterlage in Europa bevor. In diesem Zusammehang konsultiere ich auch Estofex.org und die schreiben folgendes:

Two level 1 areas were issued for parts of S-CNTRL into CNTRL Europe mainly for large hail, severe wind gusts and an isolated tornado risk.
In general, both level 1 areas will see adequate thermodynamic/kinematic background for organized multicells/isolated supercells with hail, isolated large as well. Strong to severe gusts and heavy rain are also possible with the latter risk f.ex. maximized over NW Italy. There, an isolated tornado risk is possible as well.
Ein erhöhtes Tornadorisiko ist somit vorhanden und das Level 1 befindet sich genau dort in dem Bereich, wo die starken Unwetter prognostiziert wurden durch die verschiedenen Modelle.